Technische Entscheidungen fallen in jedem Unternehmen - ob man will oder nicht. Die Frage ist nicht, ob sie fallen, sondern wer sie trifft und auf welcher Grundlage.
In Großkonzernen gibt es dafür einen CTO. Im Mittelstand trifft diese Entscheidungen oft der Geschäftsführer nach einem Anbietergespräch, der IT-Mitarbeiter nach bestem Wissen, oder der externe Dienstleister mit eigenem Interesse. Keine dieser Optionen ist ideal.
Was ein CTO eigentlich macht
Nicht Tickets bearbeiten. Nicht Server konfigurieren. Ein CTO beantwortet drei Fragen: Wo stehen wir technisch? Wo müssen wir hin? Und wie kommen wir dort hin, ohne das Tagesgeschäft zu gefährden?
Das klingt abstrakt - ist es aber nicht. Konkret bedeutet es: Angebote bewerten bevor man unterschreibt. Prioritäten setzen wenn Budget begrenzt ist. Dienstleister steuern ohne selbst technisch abhängig zu werden. Und Investitionsentscheidungen treffen, die in drei Jahren noch sinnvoll sind.
Was wir in der Praxis sehen
Die häufigsten Situationen, in denen Unternehmen uns als externes CTO-Mandat anfragen, sind immer dieselben.
Ein neues System soll eingeführt werden - und niemand im Unternehmen kann das Angebot des Dienstleisters wirklich einschätzen. Ein bestehender Dienstleister hat gekündigt oder ist ausgefallen, und plötzlich fehlt das Wissen über die eigene Infrastruktur. Das Unternehmen wächst, und die IT-Strukturen, die bei 20 Mitarbeitern funktioniert haben, reichen bei 80 nicht mehr.
In allen drei Fällen braucht man keine Vollzeitstelle. Man braucht jemanden, der die richtigen Fragen stellt, die Antworten einordnen kann - und keine eigenen Interessen an der Entscheidung hat.
Was das in der Praxis bedeutet
Ein monatlicher Strategietermin. Erreichbarkeit bei konkreten Entscheidungen. Review von Angeboten und Verträgen. Gelegentliche Teilnahme an Gesprächen mit Dienstleistern - nicht um zu übernehmen, sondern um die eigene Position zu stärken.
Kein Vollzeitjob. Kein Jahresgehalt. Aber jemand, der mitdenkt - bevor die Entscheidung gefallen ist, nicht danach.
Das ist der Unterschied zwischen reaktiver IT-Betreuung und strategischer IT-Führung. Und er macht sich spätestens beim nächsten großen Angebot bezahlt.