Ein erfahrener Cloud Architect kostet heute locker 150.000 Euro im Jahr. Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist das wirtschaftlich schlicht nicht darstellbar – und oft auch gar nicht nötig. Das Problem dabei: Richtungsweisende Cloud-Entscheidungen müssen trotzdem getroffen werden. Nahezu jede neue Software läuft als SaaS, und die Frage nach dem richtigen Mix aus Cloud und eigenen Servern stellt sich im Grunde laufend. Die Frage ist also nicht, ob diese Entscheidungen fallen, sondern wer sie auf welcher Basis trifft.
Während Großkonzerne dafür eigene Experten-Teams beschäftigen, sieht die Realität im Mittelstand meist anders aus: Hier entscheidet die Geschäftsführung nach einem überzeugenden Sales-Pitch des Anbieters, der IT-Leiter muss sich das Spezialwissen neben dem Tagesgeschäft aneignen, oder man verlässt sich blind auf den externen IT-Dienstleister, der natürlich auch eigene Umsatzinteressen (wie die Auslastung des eigenen Rechenzentrums) verfolgt.
Was die Rolle strategisch auszeichnet
Ein Cloud Architect klickt keine virtuellen Maschinen im Azure-Portal zusammen und vergibt keine Passwörter. Seine Aufgabe ist rein strategisch. Er prüft, welches Cloud-Modell – ob Public, Private oder Hybrid – betriebswirtschaftlich und technisch wirklich zum Unternehmen passt.
Dabei geht es vor allem darum, eine teure technologische Sackgasse (den sogenannten Vendor Lock-in) zu vermeiden, monatliche Kosten durch aktives Controlling (FinOps) im Griff zu behalten und Migrationen so zu planen, dass der laufende Betrieb nicht gestört wird.
Typische Stolpersteine aus der Praxis
In der Praxis sehen wir meist drei Szenarien, in denen Unternehmen externe Cloud-Expertise hinzuziehen:
Die große Migration steht an: Ein Kernsystem soll in die Cloud verlagert werden. Intern fehlt jedoch das tiefe Architekturwissen, um das Angebot des Dienstleisters unabhängig auf Zukunftsfähigkeit und versteckte Kosten zu prüfen.
Die Kosten laufen aus dem Ruder: Die Cloud wird bereits genutzt, aber die monatlichen Rechnungen steigen scheinbar unkontrolliert an, ohne dass intern jemand die Zeit oder die Werkzeuge hat, die Kostentreiber zu identifizieren.
Infrastruktur bremst das Wachstum: Das Unternehmen wächst, aber die historisch gewachsene IT-Struktur blockiert modernes, standortunabhängiges Arbeiten.
Für keines dieser Szenarien muss man direkt eine unbefristete Stelle schaffen. Was es braucht, ist punktuelle Senior-Expertise: Jemand, der die Architektur versteht, die richtigen Fragen stellt und als neutraler Sparringspartner ausschließlich die Interessen des Unternehmens vertritt.
Die Lösung: Strategische Begleitung auf Mandatsbasis
Ein externes Cloud-Mandat schließt genau diese Lücke. In der Praxis bedeutet das: ein regelmäßiger Strategietermin, der unabhängige Review von Dienstleister-Angeboten und die Unterstützung bei Verhandlungen mit Software- und Hosting-Anbietern.
Dadurch holt man sich das Know-how eines Top-Archi-tekten genau dann an den Tisch, wenn wichtige Weichen gestellt werden – ohne die Fixkosten einer Vollzeitstelle. So wird aus rein reaktivem Hosting („Wir schieben unsere Server ins Netz“) eine durchdachte Cloud-Strategie, die sich meist schon bei der nächsten monatlichen Abrechnung bezahlt macht.